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Großbritannien verstaatlicht letztes großes Rohstahlwerk von British Steel

Metalle

Hochofen und Industrieanlagen im Stahlwerk Scunthorpe
Hochofen und Industrieanlagen im Stahlwerk Scunthorpe

Wichtige Punkte

  • British Steel ist seit dem 16. Juli 2026 vollständig in Staatsbesitz.
  • Für das Werk in Scunthorpe fand die Regierung keinen privaten Käufer.
  • Dem Staat drohen weitere hohe Kosten und ein Streit über die Entschädigung für Jingye.

Die britische Regierung hat British Steel Limited vollständig verstaatlicht, den Betreiber des letzten großen Rohstahlwerks des Landes in Scunthorpe. Die Übernahme wurde am 16. Juli 2026 vollzogen, nachdem sich trotz monatelanger Suche kein privater Käufer gefunden hatte. London sichert damit kurzfristig die einzige verbliebene britische Primärstahlproduktion aus Hochöfen sowie mehrere tausend Arbeitsplätze. Zugleich verlagert sich das finanzielle und operative Risiko nun vollständig auf den Staat.

British Steel betreibt in Scunthorpe in Nordengland die letzten zwei Hochöfen des Vereinigten Königreichs. Das Werk gilt als strategisch bedeutsam, weil es hochwertigen Primärstahl für Schienen, Bau, Infrastruktur und militärische Anwendungen liefert. Die Regierung begründete den Schritt mit dem Schutz einer kritischen industriellen Fähigkeit und des nationalen Interesses.

Premierminister Keir Starmer hatte bereits am 11. Mai angekündigt, ein Verstaatlichungsgesetz vorzulegen, nachdem kein Käufer gefunden worden war. Er bezeichnete British Steel als „Teil des Gefüges unserer Nation und einen Grundpfeiler der industriellen Stärke Großbritanniens“. Die Entscheidung sichere die Zukunft der Stahlproduktion im Vereinigten Königreich, schütze qualifizierte Arbeitsplätze und bewahre eine wichtige nationale Fähigkeit. Wirtschaftsminister Peter Kyle erklärte, British Steel gehöre nun dem britischen Volk, der Fokus liege auf der Zukunft.

Der Schritt baut auf die staatliche Notintervention vom April 2025 auf. Damals verabschiedete das Parlament in einer außerordentlichen Samstagssitzung das Steel Industry (Special Measures) Act 2025. Das Gesetz gab der Regierung weitreichende Eingriffsrechte, darunter die Bestellung von Rohstoffen, Weisungen an Management und Belegschaft sowie die Sicherung von Anlagen. Hintergrund war nach Regierungsangaben die drohende Stilllegung der Hochöfen durch den damaligen Eigentümer Jingye. Das Werk stand laut Regierung nur Stunden vor der Schließung. Jingye blieb zunächst Eigentümer, die operative Kontrolle lag aber faktisch bereits beim Staat.

Die Kosten der Rettung sind erheblich. Nach Angaben des National Audit Office gab das Wirtschaftsministerium zwischen dem 12. April 2025 und dem 31. Januar 2026 insgesamt 377 Mio. Pfund für British Steel aus. Davon entfielen 359 Mio. Pfund auf Betriebsmittel wie Rohstoffe, Löhne und Energie, hinzu kamen 15 Mio. Pfund an Beraterkosten. Die laufenden Kosten der Intervention bezifferte die Behörde auf rund 1,3 Mio. Pfund pro Tag. Eine frühere Schätzung nannte Gesamtkosten von mindestens 642 Mio. Pfund bis Juni 2026. Bei Fortsetzung der bisherigen Struktur könnten die Ausgaben bis 2028 auf mehr als 1,5 Mrd. Pfund steigen.

Jingye hatte British Steel 2020 nach der Insolvenz übernommen und Investitionen von rund 1,2 Mrd. Pfund über zehn Jahre in Aussicht gestellt. Das Unternehmen litt jedoch weiter unter hohen Energiekosten, globalem Überangebot und den Kosten der Dekarbonisierung. Für 2023 wies es einen Vorsteuerverlust von 231,2 Mio. Pfund aus, nach 408,5 Mio. Pfund im Jahr 2022. In der politischen Debatte war zudem wiederholt von Verlusten von rund 700.000 Pfund pro Tag die Rede.

Offen ist nun vor allem, wie teuer die vollständige Übernahme am Ende wird. Berichten zufolge verlangte Jingye in Gesprächen mit der Regierung bis zu 1 Mrd. Pfund, während London den Wert des Werks deutlich niedriger ansetzte. Erwartet wird die Einschaltung eines unabhängigen Gutachters zur Ermittlung einer möglichen Entschädigung. Für internationale Investoren ist der Fall auch als Präzedenzfall für den Umgang des Vereinigten Königreichs mit ausländischen Eigentümern strategischer Infrastruktur relevant.

Einen direkten DACH-Bezug gibt es in den vorliegenden Primärquellen nicht. British Steel und Jingye sind nicht börsennotiert. Für Investoren ist der Schritt vor allem ein Signal einer aktiveren britischen Industriepolitik und ein möglicher Faktor für die Wettbewerbsbedingungen im europäischen Stahlsektor.

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